Dharma-Vortrag von Thay Phap Nhat
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Freitag, 3. Juli 2020
Freitag, 26. Juni 2020
Samstag, 6. Juni 2020
Thay Phap Nhat spricht über das Sterben
Dharma-Vortrag von Thay Phap Nhat am vergangenen Donnerstag im Meditationskurs.
Dienstag, 19. Juni 2018
„Alleinsein“ - Zusammenfassung der Dharma-Vorträge vom 9./10. Juni 2018 in Hamburg
Am 9./10. Juni
2018 hat ein Seminar zum Thema „Alleinsein“ in Hamburg stattgefunden. Am
Samstag hat Thay Phap Nhat in seinem Dharma-Vortrag zunächst über den
Unterschied der beiden Begriffe „Alleinsein“ und „Einsamkeit“ gesprochen. Das
Wort „Allein“ ist eigentlich aus zwei Wörtern zusammen gesetzt: „All-ein“
(analog im Englischen „alone“ mit der Bedeutung „all-one“). Dies ist für uns
vielleicht zunächst überraschend, da wir das Wort „allein“ heutzutage eher im
Bedeutungssinne „einsam“, also die Anwesenheit einer einzelnen Person ohne die
Anwesenheit weiterer Personen, verwenden. Das Wort „allein“ hat also in seinem
Wortsinne gar nichts mit Einsamkeit zu tun, sondern beschreibt einen
Geisteszustand, indem wir uns als eins mit Allem wahrnehmen, uns also maximal
verbunden fühlen. In diesem Geisteszustand können wir jederzeit verweilen,
sowohl wenn wir einsam sind als auch wenn andere Menschen um uns herum sind.
Die Kultivierung dieses Geisteszustands ist ein wichtiges Ziel der Meditationspraxis.
Wirklich alleine sind wir genau dann, wenn wir vollkommen im gegenwärtigen
Moment verweilen, wenn wir vollkommen präsent sind. Andererseits können wir ein
Gefühl der Einsamkeit sowohl erleben, wenn wir tatsächlich einsam sind, als
auch wenn andere Menschen sich um uns herum befinden. Denn auch das Gefühl der
Einsamkeit wird in Wirklichkeit durch einen Geisteszustand hervorgerufen, in
dem wir eine innere Leere fühlen, die wir gerne auffüllen möchten. Wonach wir
uns tatsächlich sehnen, wenn wir uns einsam fühlen, ist mit allem verbunden zu
sein, also „all-ein“ zu sein. Was aber meistens passiert ist, dass wir nur
versuchen unsere innere Leere aufzufüllen, häufig indem wir die Nähe zu einem
anderen Menschen suchen. Nun ist es aber so, dass einsame Menschen andere
Menschen anziehen, die sich ebenfalls einsam fühlen. Beide versuchen also ihre
innere Leere aufzufüllen, aber keiner von beiden fühlt sich bereits „erfüllt“
und könnte dem anderen etwas von dieser „Fülle“ geben. Daher bleibt der Versuch
des Auffüllens der inneren Leere meist erfolglos, und irgendwann kommt es in
der Beziehung der beiden Menschen zu Konflikten, weil keiner von beiden
zufrieden ist. Ganz anders sieht es aus, wenn zwei Menschen zusammenkommen, die
wirklich alleine sind. Wenn wir „all-ein“ sind, fühlen wir uns eins mit Allem,
wir fühlen uns erfüllt und zufrieden. In diesem Zustand sind wir bereit, zu
geben, denn wir haben das Gefühl, dass wir bereits genug haben. In erster Linie
geben und schenken wir den Menschen um uns herum unsere Präsenz. Zwei Menschen,
die wirklich allein sind, können also vollkommen präsent sein und versuchen
nicht, etwas von dem jeweils anderen zu bekommen. Sie sind beide bereits
erfüllt und zufrieden, und sie genießen ihre Präsenz.
Dienstag, 29. August 2017
Voll und ganz im gegenwärtigen Moment leben - Dharma-Vortrag vom 26.03.17 (Bremen)
Für mich ist es
eine sehr schöne Praxis zu akzeptieren was auch immer zu uns kommt.
Aber unser Geist erlaubt uns das nicht so einfach, der möchte immer
intervenieren. Er sagt uns, wir sollten jetzt dies oder jenes machen.
Unser Geist möchte immer wählen können. Besonders wenn wir in
einem Dilemma sind und wir nicht entscheiden können, ob dies oder
jenes gut ist oder nicht so gut, dann kommen wir oftmals in einen
inneren Konflikt. Von diesen inneren Konflikten wird unser Körper
und Geist ganz müde und dadurch können viele Krankheiten
entstehen. Der Weg da heraus zu
kommen besteht darin, nicht herauskommen zu müssen. Wir machen
gar nichts. Wir fließen einfach mit dem Leben mit.Was
immer passiert, das heißen wir einfach willkommen. Wir sagen: „Hey,
schön, dass du da bist. Ich bin glücklich dich willkommen zu
heißen.“ Das ist genug.
Das ist der Weg, wie wir aus all unserem Leiden herauskommen können.
Aber wir haben nicht den Mut das zu tun, weil wir immer eine Unsicherheit in uns selbst verspüren.
Wir wissen vielleicht, dass wir an einen bestimmten Ort gehen können und den wunderschönen Sonnenuntergang sehen und genießen könnten, aber wir haben Angst, dass wir auf dem Weg dorthin vielleicht in ein Loch fallen. Und dabei wissen wir ja gar nicht, ob es dort überhaupt ein Loch auf dem Weg gibt. Aber unser Geist kreiert diese Geschichten.
Wir sind so erzogen, dass wir immer Sicherheit wollen, und niemand hat uns beigebracht, dass das Leben immer unsicher ist.
Aber nur in dieser Unsicherheit können wir die Schönheit des Lebens entdecken. Nur in der Unsicherheit haben wir eine Chance wirklich zu wachsen. Das Leben ist wirklich ein Abenteuer. Und um das Geheimnis des Lebens zu verstehen, müssen wir einfach nur in diesem Abenteuer sein.
Das ist der Weg, wie wir aus all unserem Leiden herauskommen können.
Aber wir haben nicht den Mut das zu tun, weil wir immer eine Unsicherheit in uns selbst verspüren.
Wir wissen vielleicht, dass wir an einen bestimmten Ort gehen können und den wunderschönen Sonnenuntergang sehen und genießen könnten, aber wir haben Angst, dass wir auf dem Weg dorthin vielleicht in ein Loch fallen. Und dabei wissen wir ja gar nicht, ob es dort überhaupt ein Loch auf dem Weg gibt. Aber unser Geist kreiert diese Geschichten.
Wir sind so erzogen, dass wir immer Sicherheit wollen, und niemand hat uns beigebracht, dass das Leben immer unsicher ist.
Aber nur in dieser Unsicherheit können wir die Schönheit des Lebens entdecken. Nur in der Unsicherheit haben wir eine Chance wirklich zu wachsen. Das Leben ist wirklich ein Abenteuer. Und um das Geheimnis des Lebens zu verstehen, müssen wir einfach nur in diesem Abenteuer sein.
Freitag, 3. März 2017
Montag, 10. Oktober 2016
Liebe dich selbst und lerne, dich um deine Emotionen zu kümmern - Thay Phap Nhat
Wenn wir nicht wissen, wie wir uns
selbst lieben und gut für uns selber sorgen können, wie wir uns
selbst tief verstehen können, dann wird es schwierig für uns sein,
andere Menschen zu lieben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir
lernen zu uns selbst zurückzukehren. Zunächst einmal müssen wir
wirklich da sein für uns selbst. Oftmals sind wir nicht da für uns
selbst, wir arbeiten sehr hart, und wir haben nicht viel Zeit für
uns selbst. Wir müssen Geld verdienen, unsere Kinder großziehen,
und es gibt viele Dinge, um die wir uns Sorgen machen. Wir vergessen
sogar, dass wir einen Körper haben. Deshalb müssen wir für unseren
Körper da sein. Wir können das erste Mantra aus Plum Village
benutzen: „Ich bin hier für dich.“ In den meisten Traditionen,
z. B. im tibetischen Buddhismus, sind Mantras heilige Wörter in
einer fremden Sprache, die wir nicht verstehen. In Plum Village
setzen wir die Tradition der Mantras fort, aber hier benutzen wir
unsere eigene Sprache, sodass wir die Wörter verstehen können. Das
erste Mantra lautet also: „Liebling, ich bin hier für dich.“
Zunächst einmal sind wir hier für uns selbst. Wir müssen lernen,
wie wir uns entspannen können. Wenn wir starke Emotionen haben, wie
z. B. Wut oder Angst, dann kann dies unseren Körper krank machen.
Deshalb brauchen wir eine Technik, mit deren Hilfe wir unsere starken
Emotionen beruhigen können. Wenn wir wütend sind, dann haben wir
die Tendenz sofort sprechen zu wollen und unserem Ärger Ausdruck zu
verschaffen. Wir wollen sofort reagieren. In der Vergangenheit haben
wir viele Male genau das getan. Später bereuen wir oft, was wir
gesagt haben, und wir wünschen uns, wir hätten es nicht getan. Aber
dann ist es schon zu spät. Wir nehmen uns vor, beim nächsten Mal
nicht wieder so zu reagieren. Aber die Energie der Wut ist so stark,
dass sie uns wieder dazu bringt, etwas Unfreundliches zu sagen. Wir
selber leiden darunter, und auch die Menschen um uns herum leiden
darunter.
Mittwoch, 7. September 2016
Tiefe Liebe und Wahre Liebe - Thay Phap Nhat
| Bettina F. / pixelio.de |
Unsere Vorstellungen von der Liebe
lassen sich zwei unterschiedlichen Kategorien zuordnen. Es gibt eine
Liebe, die über Geburt und Tod hinausgeht. Gott z. B. kann niemals
sterben. Auch die Essenz des Seins wird niemals sterben. Schönheit
hingegen kann vergehen. Wo Glück ist, gibt es auch Leiden. Vertrauen
ist unbeständig; es kann sein, dass wir einer Person heute
vertrauen, ihr aber morgen nicht mehr vertrauen. Wenn ich
zufriedengestellt bin, genug von einer Sache habe, will ich vielleicht
nach kurzer Zeit noch mehr davon haben.
Es gibt zwei Kategorien der Liebe. Wir
können diese beiden Arten der Liebe „tiefe Liebe“ und „wahre
Liebe“ nennen. Die tiefe Liebe kann wachsen, sie kann noch tiefer
werden. Die wahre Liebe ist bereits da. Gott ist bereits da. Die
Essenz unseres Seins ist bereits da. Wenn wir ein- und ausatmen, dann
atmen alle Bäume mit uns, das ganze Universum atmet mit uns. Wir
sind bereits in einem Fluss.
Um zu der wahren Liebe zu gelangen,
müssen wir zuerst die tiefe Liebe kultivieren. Ich möchte ein
Beispiel zu der tiefen Liebe erläutern. Wir haben in unserem Leben
Beziehungen zu anderen Menschen, etwa zu unseren Freunden, zu unserem
Ehemann oder zu unserer Ehefrau. Wir sprechen hier über alle
Beziehungen unseres täglichen Lebens. Die Liebe, die in diesen
Beziehungen vorkommt, bedarf einer Kultivierung. Wir müssen diese
Liebe pflegen und sich entwickeln lassen. In der wahren Liebe ist es
anders. Dies ist die Liebe, die wir zu Gott empfinden. Wir fließen
mit dem Fluss des Lebens. In dieser Liebe verweilen wir in
100-prozentiger Freiheit. Wir sind vollkommen präsent im Hier und
Jetzt. In dieser Liebe ist immer Frieden. In dieser Liebe liegt auch
die wahre Kreativität. In dieser Liebe ist immer Respekt; sie
respektiert selbst die einfachen Dinge wie eine kleine Blume oder
einen Sonnenstrahl.
Donnerstag, 25. August 2016
Wer bist du?
| Annamartha / pixelio.de |
Es
gibt viele verschiedene Ebenen, auf denen wir die Frage danach
beantworten können, wer wir sind. Sprechen wir zuerst über die erste
Ebene: Jemand kommt und fragt uns: „Wer bist du?“ Und dann denken
wir vielleicht zuerst: „Ich bin dieser Körper.“ Und wenn wir uns
in der Psychologie auskennen, werden wir noch weitere Dinge ergänzen:
„Ich bin nicht nur dieser Körper. Neben dem Körper habe ich auch
Gefühle und Wahrnehmungen.“ Und wenn wir in der Meditation geübt
sind, insbesondere in der Achtsamkeitsmeditation, dann können wir
unseren Geist in unserem täglichen Leben beobachten. Und dann werden
wir sehen: „Ich bin nicht nur der Körper, die Gefühle und die
Wahrnehmungen. Ich habe auch Geistesformationen.“ Wenn wir dann
noch die Ebene der Philosophie betrachten, dann sehen wir, dass es
noch etwas gibt, was zu uns gehört, nämlich das Bewusstsein.
Körper, Gefühle, Wahrnehmungen, Geistesformationen und Bewusstsein
– das ist also, wer wir sind. Wir können auch eine andere
Unterteilung vornehmen. Manche Menschen, die eine spirituelle Praxis
ausüben und bereits etwas tiefere Kenntnisse haben, werden uns auf
die Frage danach, wer sie sind, die folgende Antwort geben: „Ich
bin Körper und Geist.“ Körper und Geist schließen Gefühle,
Wahrnehmungen und Geistesformationen mit ein. Ich habe sehr viele
Menschen gesehen, die an dieser Stelle stehengeblieben sind und nicht
weiter hinterfragen. Sie sagen: „Ich bin Körper und Geist.“ Aber
es gibt noch eine weitere Ebene, die tiefer geht als diese Aussage.
Für mich ist es wichtig, an diesem Punkt nicht stehenzubleiben. Wir
gehen noch ein bisschen weiter, ein bisschen tiefer. Hier können wir
nicht mehr definieren oder festlegen, wer wir sind. Es gibt nur die
direkte Erfahrung dessen, wer wir sind. Wir könne das nicht auf der
Ebene des Denkens erfahren. Es geht über die Kopfebene hinaus. Wie können wir diese Ebene kennenlernen?
Montag, 1. August 2016
Frieden schaffen - Dharma-Vortrag in Tschechien am 23. Juli 2016 (Thay Phap Nhat)
Gestern Abend haben mich einige Freunde
aus Deutschland angerufen und haben mir von dem Terroranschlag in
einem Münchener Einkaufszentrum berichtet. Die Energie der Wut und
die Energie der Angst verbreiten sich überall. 8 Menschen wurden bei
dem Anschlag getötet, 10 Menschen wurden verletzt, und einige
verstecken sich immer noch in dem Einkaufszentrum, weil sie zu viel
Angst haben, um herauszukommen. Nach dem Anschlag hat die Polizei der
Bevölkerung empfohlen, die Häuser nicht zu verlassen, und der
öffentliche Nahverkehr wurde zum Stillstand gebracht. Die Polizei
hat ein Sondereinsatzkommando nach München geschickt. Wir wissen
alle, dass dies bereits der dritte Terroranschlag innerhalb von 8
Tagen in Westeuropa war. Vor einer Woche war ich in Frankreich. Wie
ihr wisst, war am 14. Juli, dem Nationalfeiertag in Frankreich, ein
Terroranschlag in Nizza. 84 Menschen starben. 82 Menschen schwebten
in Lebensgefahr. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Viele
Menschen, die den Anschlag gesehen haben, werden von den Bildern, die
sie gesehen haben, innerlich verfolgt. Sie haben gesehen, wie die
Menschen unter dem Lastwagen zerdrückt wurden, sodass ihre Gesichter
nicht mehr zu erkennen waren. Wenn um uns herum vielen Menschen sind,
die Angst und Hass in sich haben, die keine friedvolle Energie haben,
was können wir dann tun? Heute haben wir die Gelegenheit, hier
zusammenzukommen und zu meditieren, sodass wir friedvolle Energie
produzieren können. Auf diese Weise tragen wir zum Frieden in der
Welt bei. Unser Beitrag ist unsichtbar, aber er existiert dennoch.
Wir generieren die Energie des Friedens, um einen Ausgleich zu
schaffen zu der Energie des Unfriedens, die in der Welt zur Zeit
existiert.
Sonntag, 26. Juni 2016
Das glückliche innere Kind - Thay Phap Nhat
| Kurt Heller/ pixelio.de |
Manchmal haben wir ein Bild von uns selbst, in dem wir gefangen werden. Wir wissen nicht, wie wir uns von dem Bild befreien können. Vielleicht haben wir dieses Bild kreiert, als wir noch ein kleiner Junge oder ein kleines Mädchen waren, als wir mit unserer Familie zusammengelebt haben. Zu dieser Zeit wurden uns auch Wunden zugefügt, und deshalb gibt es in jedem von uns ein verletztes inneres Kind. Unser Lehrer lädt uns oft dazu ein, dieses verletzte innere Kind zu umarmen, um die Wunde in uns zu heilen, die in uns als fünfjähriges Kind zugefügt wurden. Ich sehe aber noch einen anderen Aspekt. Es ist richtig, dass wir zu unserem inneren Kind zurückkommen können, um uns um seine Wunden zu kümmern und uns mit ihm zu versöhnen. Wenn wir uns aber nur auf die Wunden fokussieren, dann werden wir vielleicht vergessen, dass es in jedem von uns neben dem verletzten inneren Kind auch ein glückliches inneres Kind gibt. Wenn wir geboren werden, ist unser Geist sehr rein.
Mittwoch, 8. Juni 2016
Dein innerer Meister - Thay Phap Nhat
Eine Person, die
Erleuchtung erlangt hat, nennen wir den „Erwachten“. Das
bedeutet, dass diese Person wach ist. Wenn wir im Traum sind, werden
die Dinge um uns herum nicht klar für uns erkennbar sein. Auch wenn
wir aus dem Schlaf aufwachen, dann können wir unseren Traum oft
nicht erinnern, weil die Dinge im Traum für uns nicht klar sind. Im
Tagtraum ist es genauso. Wenn wir in unserem Leben leben, und die
Dinge nicht klarsehen können, dann sind wir am träumen – obwohl
wir wach sind. Wie können wir ein wirklich Erwachter werden, wie der
Buddha? Den Buddha nennen wir den Erwachten. Die Silbe „buddh“
bedeutet „wach“ oder „erwacht“, und „Buddha“ bedeutet
„der Erwachte“. Dieser Erwachte hatte den Namen „Gautama“. So
hieß der Buddha – Gautama.
Weil ich kein
Intellektueller bin, kein Gelehrter, habe ich nicht viel Wissen. Ich
bin ein fauler Mönch – das weiß ich ganz genau. Ich weiß nicht,
wie die rechte und die linke Gehirnhälfte funktionieren –
vielleicht werde ich das noch eines Tages lernen. Aber ich weiß sehr
genau, wie unser Bewusstsein funktioniert. Unser Bewusstsein ist ein
sehr mächtiges Werkzeug. Wenn wir es gut kennen, dann können wir
vieles erreichen, was wir uns in unserem Leben wünschen.
Freitag, 13. Mai 2016
Thay Phap Nhat über wahre Liebe - Thay Phap Nhat
| Bettina F./ pixelio.de |
Die vier Elemente wahrer Liebe
Wenn wir im Buddhismus über die Liebe
sprechen, dann sagen wir oft, dass sie aus den vier unermesslichen
Geisteszuständen gebildet wird. Dies bedeutet, dass es möglich ist
den Geist der Liebe zu entwickeln. In der Entwicklung dieser vier
unermesslichen Geisteszustände gibt es kein Ende. Diese vier
Geisteszustände werden Maitreya (liebende Güte), Karuna
(Mitgefühl), Mudita (Freude, Mitfreude) und Upeka
(Einschießlichkeit, Gleichmut, Freiheit) genannt. Wir haben den
Wunsch, unseren geliebten Personen Freude und Glück zu bringen; dies
ist Maitreya. Der Wunsch alleine reicht aber nicht aus. Wir brauchen
auch die Fähigkeit, tatsächlich Freude und Glück zu bringen. Um
diese Fähigkeit zu entwickeln, müssen wir uns in tiefem Schauen
üben, um die uns geliebten Personen wirklich zu verstehen. Wir
müssen ihre tiefen Wünsche, ihr tiefes Bestreben verstehen. Wir
müssen tief schauen, um auch ihr Leiden verstehen zu können.
Mitgefühl zu haben bedeutet nicht nur, das Leiden der Menschen
verringern zu wollen, sondern auch die tatsächliche Fähigkeit, dies
zu tun. Wie können wir unsere Liebe tiefer werden lassen? Wir müssen
lernen, tief zu schauen. Wie können wir tief in die Dinge schauen
und in die Personen, die wir lieben? Dafür brauchen wir die
Meditation. Wir müssen lernen, wie wir vollkommen präsent sein
können, und wie wir die Energie der Achtsamkeit entwickeln können.
Der Ozean und der Wassertropfen
Samstag, 16. April 2016
Thay Phap Nhat über Verantwortung, Liebe und Nicht-Angst
Der verlorene Schlüssel
– Verantwortung übernehmen
Wenn wir genügende Handlung vollziehen
wollen, dann müssen wir Verantwortung übernehmen. Normalerweise
übernehmen wir unsere eigene Verantwortung nicht, deshalb können
wir nicht zu unserer Wurzel zurückkehren und unser eigenes Potenzial
in unserem Leben entdecken. Weil wir nicht die ganze Verantwortung
übernehmen für alles das, was uns zugetragen wird, entwickeln wir
die Tendenz, andere Menschen zu beschuldigen. Wenn wir immerzu andere
Menschen beschuldigen, dann wird unsere Weisheit allmählich
verdunsten. Wenn wir jemanden beschuldigen, dann bedeutet das, dass
wir wütend werden, oder wir akzeptieren nicht, was auch immer in
diesem gegenwärtigen Moment geschieht. Und wenn wir wütend werden,
dann wird unsere Intelligenz ausgeschaltet. In diesem Zustand können
wir nicht mehr intelligent mit der Situation umgehen. Obwohl wir
denken, dass wir die Situation verbessern wollen, machen wir es nur
noch schlimmer, weil unsere Intelligenz ausgeschaltet ist. Wenn wir
also wütend werden, dann ist es wichtig, dass wir uns daran
erinnern, dass in diesem Zustand unsere Intelligenz nicht
funktioniert. Wenn wir in einer intelligenten Weise handeln wollen,
dann müssen wir warten, bis der Sturm das Ärgers vorübergezogen
ist.
Montag, 4. April 2016
Frieden in mir, Frieden in der Welt - aus dem Dharma Vortrag vom 6. Februar in Hamburg
Thay Phap Nhat
Es
gibt eine Geschichte, die sich vor mehreren Jahrtausenden zugetragen
haben soll. Die Oberfläche der Erde war damals von Dornen und
scharfen Steinen übersäht, und die Menschen haben sich beim Gehen
oft die Füße an den Dornen verletzt. Der König, der zu jener Zeit
regierte, wollte seine Volk beschützen, und bat daher mehrere weise
Männer, in seinen Palast zu kommen, um eine Lösung für das Problem
zu finden. Einer der weisen Männer schlug vor, dass man die gesamte
Erde mit Teppich auslegen könnte, sodass die Dornen und Steine davon
verdeckt sind. Die anderen weisen Männer fanden diese Idee sehr gut,
denn sie würde tatsächlich alle Menschen vor Verletzungen an den
Füßen beschützen. Allerdings schien es unmöglich, diese Idee in
die Tat umzusetzen, da man dafür Unmengen an Teppich gebräucht
hätte. So machte einer der weisen Männer einen anderen Vorschlag:
Man könnte jedem Menschen ein paar Schuhe geben. Auf diese Weise
wären die Dornen zwar nicht beseitigt, sie wären immer noch da,
aber die Menschen wären durch ihre Schuhe vor Verletzungen
beschützt. Der König stimmte dem Vorschlag zu, und so wurde es denn
auch gemacht.
Montag, 28. März 2016
Fragen und Antworten aus dem Seminar "Frieden im täglichen Leben"
Frage: Wie kann ich friedvoll sein, wenn ich einer Person gegenüberstehe, die wütend auf mich ist und mich verletzen möchte?
Antwort: Stell dir einen Brunnen vor, aus dem
du mit einer Schöpfkelle Wasser entnehmen willst. Wenn in dem
Brunnen aber kein Wasser ist, dann kannst du auch keines herausholen.
Wenn in unserem Herzen keine Energie der Wut ist, und jemand sagt
etwas Unfreundliches zu uns, können wir dann wütend werden? Mit der
Energie der Wut verhält es sich genauso wie mit dem Wasser im
Brunnen. Die andere Person ist nur eine Art Trigger für die Energie
der Wut, die bereits in uns ist.
Wir können aber doch etwas tun, wenn
eine andere Person unseren Ärger aufweckt. In der buddhistischen
Psychologie sprechen wir von Samen, die in unserem
Speicherbewusstsein ruhen. Es gibt dort ganz viele verschiedene
Samen. Jeder von uns hat die Samen der Liebe, des Mitgefühls, des
Glücks und der Freude. Es gibt in unserem Speicherbewusstsein aber
auch die Samen der Traurigkeit, der Wut, der Frustration und der
Angst. Wenn wir wissen, wie wir in unserem täglichen Leben die Samen
des Glücks und der Freude nähren können, dann werden diese Samen
zu großen und starken Bäumen heranwachsen. Wenn wir hingegen die
Samen der Frustration, der Wut und der Sorge wässern, dann werden
genau diese Samen stärker werden und weiter wachsen. Wenn wir dies
klar erkennen, dann können wir zum Wässern die Samen auswählen,
die uns glücklich machen.
Alle Personen in unserem Umfeld sind
wie ein Spiegel, die reflektieren, was wir in unserem Inneren haben.
Wir haben das Recht zu entscheiden, mit welcher Haltung wir einer
Situation begegnen wollen. Wenn wir in unserer Praxis noch nicht so
stark sind, dann brauchen wir eine Gemeinschaft; wir brauchen
Freunde, die nur die guten Samen in unserem Herzen nähren. Wenn wir
stärker geworden sind, haben wir genügend innere Ruhe, um mit
schwierigen Situationen umzugehen.
Die Lektion des Loslassens - aus dem Dharma Vortrag vom 7. Februar in HH
Thay Phap Nhat
Ich sehe, dass viele Menschen ihr
ganzes Leben lang damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen. Sie
arbeiten sehr viel und sie wissen nicht, wie sie ihre Gesundheit
beschützen können. Wenn sie alt werden, werden viele von ihnen
krank, und dann wenden sie das ganze angesparte Geld dazu auf, ihre
Krankheit zu heilen. Die Vögel singen jeden Tag, und am Straßenrand
sind wunderschöne Blumen zu sehen, aber jahrelang konnten wir diese
Dinge nicht erkennen. Wir leben mit Dingen, die nur in unserem Kopf
stattfinden. Wir wollen feststellen, ob die Dinge gut oder schlecht
sind. Unsere Gedanken kreieren viele Dinge, und so werden wir leicht
in dem Kreisen unseres Denkens gefangen. Es ist eine Art
Teufelskreis. Eines Tages stehen wir kurz vor dem Tod, und endlich
erkennen wir, dass wir nichts haben. In dem Moment sind wir
erleuchtet. Wenn wir sterben, können wir dann unser schönes Haus
und unser Auto mitnehmen? Bis jetzt hat noch niemand das getan. Der
Tod ist eine große Lektion für die Menschen. Doch wenn wir viel
Glück haben, dann erkennen wir diese Lektion bereits lange bevor wir
sterben und haben so die Chance ein besseres Leben zu führen.
Leben in der letztendlichen Dimension - aus dem Dharma-Vortrag vom 7. Februar in HH
Thay Phap Nhat
In unserem täglichen Leben passieren
manchmal Dinge, deren wir uns nicht bewusst sind. Manchmal fühlen
wir uns traurig, obwohl wir keinen Grund für unsere Traurigkeit
entdecken können. Wir wissen nicht, warum wir uns traurig fühlen.
Manchmal fühlen wir uns einsam, obwohl ganz viele Menschen um uns
herum sind. Wenn wir den Grund hinter diesen Gefühlen nicht kennen,
dann werden sie immer wieder aufkommen. Die Meditationspraxis ist
einen Art Reise, eine Reise nach innen. Wir kommen zurück zu uns
selbst und entdecken, wer wir wirklich sind.
Manchmal werde ich gefragt: „Was ist
der gegenwärtige Moment?“ Tatsächlich gibt es in der Realität
gar keinen gegenwärtigen Moment. Warum gibt es keine Gegenwart, kein
Jetzt? Wir müssen tief schauen in unsere Vorstellungen von
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um diese Frage beantworten zu
können. Die Vergangenheit ist bereits vergangen, sie ist nicht mehr
da. Die Vergangenheit existiert nicht wirklich. Die Zukunft ist noch
nicht gekommen, also ist auch sie nicht wahrhaftig da. Aus dieser
Betrachtung schließen wir normalerweise, dass es in der Wirklichkeit
nur das Jetzt gibt. Das Jetzt ist aber aus der Vergangenheit und der
Zukunft gemacht. Wenn es keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt,
wie kann da ein Jetzt sein?
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