Sonntag, 26. Juni 2016

Das glückliche innere Kind - Thay Phap Nhat

Kurt Heller/ pixelio.de


Manchmal haben wir ein Bild von uns selbst, in dem wir gefangen werden. Wir wissen nicht, wie wir uns von dem Bild befreien können. Vielleicht haben wir dieses Bild kreiert, als wir noch ein kleiner Junge oder ein kleines Mädchen waren, als wir mit unserer Familie zusammengelebt haben. Zu dieser Zeit wurden uns auch Wunden zugefügt, und deshalb gibt es in jedem von uns ein verletztes inneres Kind. Unser Lehrer lädt uns oft dazu ein, dieses verletzte innere Kind zu umarmen, um die Wunde in uns zu heilen, die in uns als fünfjähriges Kind zugefügt wurden. Ich sehe aber noch einen anderen Aspekt. Es ist richtig, dass wir zu unserem inneren Kind zurückkommen können, um uns um seine Wunden zu kümmern und uns mit ihm zu versöhnen. Wenn wir uns aber nur auf die Wunden fokussieren, dann werden wir vielleicht vergessen, dass es in jedem von uns neben dem verletzten inneren Kind auch ein glückliches inneres Kind gibt. Wenn wir geboren werden, ist unser Geist sehr rein.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Dein innerer Meister - Thay Phap Nhat

Eine Person, die Erleuchtung erlangt hat, nennen wir den „Erwachten“. Das bedeutet, dass diese Person wach ist. Wenn wir im Traum sind, werden die Dinge um uns herum nicht klar für uns erkennbar sein. Auch wenn wir aus dem Schlaf aufwachen, dann können wir unseren Traum oft nicht erinnern, weil die Dinge im Traum für uns nicht klar sind. Im Tagtraum ist es genauso. Wenn wir in unserem Leben leben, und die Dinge nicht klarsehen können, dann sind wir am träumen – obwohl wir wach sind. Wie können wir ein wirklich Erwachter werden, wie der Buddha? Den Buddha nennen wir den Erwachten. Die Silbe „buddh“ bedeutet „wach“ oder „erwacht“, und „Buddha“ bedeutet „der Erwachte“. Dieser Erwachte hatte den Namen „Gautama“. So hieß der Buddha – Gautama.

Weil ich kein Intellektueller bin, kein Gelehrter, habe ich nicht viel Wissen. Ich bin ein fauler Mönch – das weiß ich ganz genau. Ich weiß nicht, wie die rechte und die linke Gehirnhälfte funktionieren – vielleicht werde ich das noch eines Tages lernen. Aber ich weiß sehr genau, wie unser Bewusstsein funktioniert. Unser Bewusstsein ist ein sehr mächtiges Werkzeug. Wenn wir es gut kennen, dann können wir vieles erreichen, was wir uns in unserem Leben wünschen.

Freitag, 13. Mai 2016

Thay Phap Nhat über wahre Liebe - Thay Phap Nhat

Bettina F./ pixelio.de


Die vier Elemente wahrer Liebe

Wenn wir im Buddhismus über die Liebe sprechen, dann sagen wir oft, dass sie aus den vier unermesslichen Geisteszuständen gebildet wird. Dies bedeutet, dass es möglich ist den Geist der Liebe zu entwickeln. In der Entwicklung dieser vier unermesslichen Geisteszustände gibt es kein Ende. Diese vier Geisteszustände werden Maitreya (liebende Güte), Karuna (Mitgefühl), Mudita (Freude, Mitfreude) und Upeka (Einschießlichkeit, Gleichmut, Freiheit) genannt. Wir haben den Wunsch, unseren geliebten Personen Freude und Glück zu bringen; dies ist Maitreya. Der Wunsch alleine reicht aber nicht aus. Wir brauchen auch die Fähigkeit, tatsächlich Freude und Glück zu bringen. Um diese Fähigkeit zu entwickeln, müssen wir uns in tiefem Schauen üben, um die uns geliebten Personen wirklich zu verstehen. Wir müssen ihre tiefen Wünsche, ihr tiefes Bestreben verstehen. Wir müssen tief schauen, um auch ihr Leiden verstehen zu können. Mitgefühl zu haben bedeutet nicht nur, das Leiden der Menschen verringern zu wollen, sondern auch die tatsächliche Fähigkeit, dies zu tun. Wie können wir unsere Liebe tiefer werden lassen? Wir müssen lernen, tief zu schauen. Wie können wir tief in die Dinge schauen und in die Personen, die wir lieben? Dafür brauchen wir die Meditation. Wir müssen lernen, wie wir vollkommen präsent sein können, und wie wir die Energie der Achtsamkeit entwickeln können.


Der Ozean und der Wassertropfen

Samstag, 16. April 2016

Thay Phap Nhat über Verantwortung, Liebe und Nicht-Angst

Der verlorene Schlüssel – Verantwortung übernehmen

Wenn wir genügende Handlung vollziehen wollen, dann müssen wir Verantwortung übernehmen. Normalerweise übernehmen wir unsere eigene Verantwortung nicht, deshalb können wir nicht zu unserer Wurzel zurückkehren und unser eigenes Potenzial in unserem Leben entdecken. Weil wir nicht die ganze Verantwortung übernehmen für alles das, was uns zugetragen wird, entwickeln wir die Tendenz, andere Menschen zu beschuldigen. Wenn wir immerzu andere Menschen beschuldigen, dann wird unsere Weisheit allmählich verdunsten. Wenn wir jemanden beschuldigen, dann bedeutet das, dass wir wütend werden, oder wir akzeptieren nicht, was auch immer in diesem gegenwärtigen Moment geschieht. Und wenn wir wütend werden, dann wird unsere Intelligenz ausgeschaltet. In diesem Zustand können wir nicht mehr intelligent mit der Situation umgehen. Obwohl wir denken, dass wir die Situation verbessern wollen, machen wir es nur noch schlimmer, weil unsere Intelligenz ausgeschaltet ist. Wenn wir also wütend werden, dann ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass in diesem Zustand unsere Intelligenz nicht funktioniert. Wenn wir in einer intelligenten Weise handeln wollen, dann müssen wir warten, bis der Sturm das Ärgers vorübergezogen ist.